Im Laufe der Woche hatte sich schon abgezeichnet, dass sich zum Wochenende gute Flugbedingungen in den Alpen entwickeln würden. Zum Glück hatte ich mir prophylaktisch auch die voraussichtlich guten Tage schon einmal freigehalten. Am Donnerstag Vormittag rief dann Tom Wetzel spontan an, er habe einen “Anschlag” auf mich vor: wollen wir morgen, am 23. April 2021, nach Pui fliegen? 

Im ersten Moment natürlich eine Frage, die man nicht alle Tage hört und mit der ich nicht gerechnet hatte. Aber warum eigentlich nicht? Somit fiel der Entschluss, das Ganze am Folgetag einfach auszuprobieren. Natürlich gab´s dann noch etwas Hektik – Termine auf der Arbeit verschieben, den Schlepppilotendienst am Samstag abgeben (vielen Dank nochmal an Norbert!), alle Meetings etwas kürzer machen und schon trafen wir beide uns am Donnerstag um 18:30 Uhr am Platz zum Aufbauen und Planen des Fluges.

Wie so oft, geschah es auch an diesem Tag: kaum plant man ein größeres Vorhaben, schon kann man mit Platzregen am Abend vor dem Start rechnen. Und so ging abends noch eine heftige Schauerzelle durch und alles war patschnass.  Trotzdem haben wir den Flieger aufgebaut und soweit wie möglich vorbereitet. Abends noch schnell den Flug und mögliche Flugwegoptionen auf der Karte ausprobiert und telefonisch sichergestellt, dass in Pui zu den geplanten Zeiten auch Betrieb ist und wir für den Rückflug eine Startmöglichkeit bekommen.

Im Prinzip ist ein Flug von Ohlstadt nach Puimission eigentlich gar nicht so wild. Es ist ein Streckenflug nach Südwesten von  “nur” 500-600km, gefolgt von einem langen Abgleiten. Nach den von uns angeschauten Wettermodellen hätten wir noch um 14 Uhr starten können und wären dann immer noch in Pui angekommen. Spannender Gedanke! Um 11:15 Uhr Ortszeit sind wir dann tatsächlich gestartet. Richtung  Lechtaler Alpen im Westen konnten wir am Vormittag noch recht tiefe Wolken beobachten, so dass wir in diesem Moment doch etwas zweifelten, ob unser Vorhaben klappt. Schlussendlich waren in diesem Gebiet aber am Vorabend die Schauer durchgezogen, und auf unserem Kurs südlich des Daniel ging es dann erstaunlich gut voran. Weiter ging’s dann übers Paznauntal, welches wiederum bis kurz vor dem Rheintal komplett blau war.

Ab dem Rheintal und querab Bad Ragaz gab es wieder Wolken, deren Aufwinde wunderbar an der Schneekante der Berge ablösten. Prinzipiell hatte uns die Schneelage in den tieferen Alpen durchaus Sorgen bereitet. Die Talböden waren aber zum Glück schon schneefrei, und so konnten wir auch im Rheintal einigermaßen problemlos bis kurz vor den Oberalppass fliegen. Hier mussten wir die volle Basishöhe mitnehmen, da nun auch der Talboden komplett schneebedeckt war und auf Kurs wohl weder Wolken noch Thermik zu finden sein würde. Nach einer langsamen und vorsichtigen Querung des Oberalppasses stand die Entscheidung an, ob wir es voraus über den Furkapass probieren oder über den Gotthardpass nach Süden ausweichen wollten, wo wieder Wolken standen. Wir entschieden uns für den Furkapass und kamen auch wirklich knapp drüber.

Damit war die strategisch wohl kritischste Stelle des Fluges überwunden. Im Wallis angekommen, konnten wir allerdings noch nicht so richtig durchatmen, da dort auch noch sehr viel Schnee im Tal lag und es so gut wie keine Thermik gab. Somit mussten wir erst einmal weitergleiten – für ganze 23 Minuten entlang von drei- und viertausend Meter hohen Bergen unterhalb der Höhe der Skilifte und Hotelresorts …

Erst wo der Talgrund niedriger wurde und sich die Böden besser erwärmen konnten, ging es dann wieder aufwärts und unser Vario zeigte endlich wieder Luftmassenaktivität an! Allerdings waren wir da auch schon herunter auf 1950m, was sich dort wie in einem U-Boot anfühlt, wenn die Berge um uns alles 4000er sind. An der Krete des Aletschgletschers konnten wir dann endlich am Hang einen guten Bart mit ca. 2 m/s finden und diesen genüsslich auskurbeln. Wieder im oberen Stockwerk, entschieden wir uns für einen Flugweg über Sion und dann westlich vorbei am Mont Blanc. Für mich das erste Mal, ein gigantischer Berg!

 

Aletschgletscher, nachdem wir dort aus 1950m wieder Höhe gewinnen konnten

Ab hier hatten wir den Flug eigentlich gewonnen und das Wetter wurde wirklich von km zu km besser. Bei Albertville hatten wir dann zu entscheiden, ob wir die Ecrins noch östlich umfliegen, oder ob wir bei ebenso guter Optik über das Modanetal Richtung Bardonecchia fliegen wollten. Wir entschieden uns für Letzteres und wurden nördlich von Modane mit einem satten Bart bis auf 3800m belohnt. Über Bardonecchia ging es dann den klassischen Weg weiter Richtung Briancon und St. Crepin, wo es am Prachaval erneut auf fast 4000m ging. Ab hier zeigte unser Rechner auch schon einen sicheren Endanflug auf Puimoisson, so dass wir den Rest der Strecke richtig schön genießen konnten. Über Puimoisson angekommen, waren wir noch so früh dran, dass wir uns entschieden, nochmals Kurs Richtung Norden zu nehmen. Der Parcours lief super und auch nördlich von St. Crepin stieg es so gut, dass wir noch einen Schenkel bis zurück nach Briancon fliegen konnten. Der anschließende Sonnenuntergang aus der Luft war wirklich sehr eindrucksvoll!

Parcours und Lac de Serre-Poncon aus Nordosten

 

Kurz vor der Landung in Pui um 20:08 Uhr

In Puimussion wurden wir schon erwartet und gleich herzlichst mit Panache begrüßt, bevor wir überhaupt aussteigen konnten. Das nenne ich mal Gastfreundschaft!  An dieser Stelle vielen Dank an Alfred Spindelberger für die freundliche Aufnahme, Unterkunft und Verpflegung!

Den erste Teil unser Mission hatten wir nun erfolgreich abgeschlossen, nun galt es, den Rückflug nach Ohlstadt zu meistern. Die Vorhersage war wirklich sehr gut, lediglich morgens sollte es eine kleine Abschirmung geben. Am nächsten Morgen durften wir dann erst einmal das Pui-Deluxe Paket genießen und nach einem kleinem Fix am Motorkasten (der Motor wäre am Flug des Vortags überhaupt nicht ausgefahren… 🙂 ) konnten wir um ca. 11.20 Uhr starten.

Die ersten Steigmeter gestalteten sich noch etwas zäh, aber das entwickelte sich schnell ins Gegenteil. Mit einem Schnitt von gut über 100km/h und traumhafter Optik ging es dann in den Norden. Wir konnten direkt über den Col d’ Allos ins Barcelonette-Tal springen, und da es kurz vor dem Col d’ Vars auch schon auf 3000m ging, auch weiter direkt Richtung Tete du Peyron. Danach ging es völlig problemlos weiter, über Briancon direkt in die Maurienne. Einfach zur Abwechslung entschieden wir uns, beim Rückflug östlich vom Mont Blanc vorbeizufliegen, da auch hier sehr schöne Cumuli standen.

 

Vorbeiflug am Mont Blanc auf dem Rückflug nach Ohlstadt

In Richtung Matterhorn sah die Basis leider etwas tief aus, deswegen sind wir dann über den Großen St. Bernard ins Wallis abgebogen. Die Querung ins Vorderrheintal haben wir dieses Mal nicht mehr über den Furkapass absolviert, sondern in fast schon langweiliger Höhe über den Nufenenpass aus 3500m gemeistert. Wie am Vortag, konnten wir es uns leisten, nochmals etwas zu verlängern, da wir tatsächlich einen Schnitt von über 100km/h halten konnten. Am Ende des Tages standen wieder über 800km auf der Uhr und wir hatten es tatsächlich geschafft: Ohlstadt – Puimoisson – Ohlstadt in zwei Tagen:). Ein absolut unvergessliches Erlebnis!

 

Anstoßen auf den gelungenen Flug nach der Landung in Ohlstadt

Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Heinrich Meyr und LXNav für die Bereitstellung des HAWK Varios und HAWK-Winds, das wirklich an vielen Punkten des Fluges eine große Hilfe war, und an Afred Spindelberger und das ganze Pui-Team für den freundlichen Empfang und professionellen Betrieb!

                                                                                                                                                                                                                                                                           Geschrieben von Markus Full und Tom Wetzel

 

https://www.weglide.org/flight/50861

https://www.weglide.org/flight/50505

 

 

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